Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Verwendung in der zur Streitkräftebasis zählenden Feldjägertruppe, speziell im Bereich "Personenschutz" ist sehr vielseitig und anspruchsvoll. "Man darf sich nicht der Illusion hingeben, es sei wie im Film. Es ist eine harter Job, der ein hohes Maß an Konzentration und physischer Ausdauer verlangt", so Hauptfeldwebel Karl Baumann. Baumann selbst war als Personenschützer an einer Vielzahl von Einsätzen beteiligt. Er begleitete viele Personen von Rang und Namen in der Bundeswehr, zum Beispiel den Generalinspekteur und einen Staatssekretär. Der 32-jährige Berufssoldat besuchte schon 1995 als junger Feldwebel den Grundlehrgang "Personenschutz". Jetzt, acht Jahre später, durchläuft der erfahrene Feldjäger den Aufbaulehrgang "Führer im Personenschutz". Gelockt hat den gebürtigen Nördlinger die außergewöhnliche Aufgabe, wie er sagt. "Ich wollte nie einen ganz normalen Beruf ausüben. Gefallen hat mir vor allem, dass die Arbeit eines Personenschützers auf einem sehr hohen Niveau stattfindet. Außerdem habe ich so die Möglichkeit, viele interessante Persönlichkeiten kennen zu lernen."

Am Lenkrad: Beim Fahrsicherheitstraining gilt es, jederzeit Herr der Lage zu sein.
Die Geburtsstunde des Personenschutzes in der Bundeswehr
Rückblick: Zu Beginn der siebziger Jahre fegte eine Terrorwelle über Deutschland hinweg. Anschläge und Entführungen standen damals auf der Tagesordnung. Als Drahtzieher bekannte sich die Rote Armee Fraktion (RAF). Die politisch linksorientierte Terrorgruppierung forderte durch ihre Gewalttaten etliche Opfer, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Generalbundesanwalt Siegfried Buback oder Arbeitgeberpräsident Hans Martin Schleyer. Als die Terroristen Mitte der siebziger Jahre auch hochrangiges Militärpersonal als potenzielle Ziele nannten, war die Polizei alarmiert. Doch auf Grund von Personalmangel war es nicht möglich, auch Angehörige der Bundeswehr zu schützen. Um diese gravierende Sicherheitslücke zu schließen, fand ein Treffen zwischen dem Bundesverteidigungs- und dem Bundesinnenministerium statt. Ein Bereich innerhalb der Bundeswehr wurde gesucht, um die Aufgaben des Personenschutzes zu übernehmen. Gute Voraussetzungen bot die Feldjägertruppe, aufgrund von Gleichartigkeiten zur Polizei. Ende der 70er Jahre wurde der Pilotlehrgang "Personenschutz" beim Feldjägerbataillon 720, Hannover, durchgeführt. Anschließend wurde die Ausbildung an die Schule für Feldjäger und Stabsdienst verlegt.

Profis im Ausweichen: Das Sicherheitstraining verlangt ein Höchstmaß an Fahrzeugkontrolle.
Planung und Organisation
Zurück in die Gegenwart. Der Hauptauftrag jedes Personenschützers lautet: Schutzperson sichern und im Ernstfall sofort evakuieren. Um diesem Auftrag gerecht zu werden, müssen verschiedene Arbeitsabläufe eingehalten werden. So muss vor jedem Einsatz eine Vorfeldaufklärung erfolgen, die zahlreiche Einzelmaßnahmen umfasst. Ein Beispiel: Der Personenschützer nutzt die Vorfeldaufklärung, um unbekannte Fahrstrecken vom Abfahrtsort bis zum Ankunftsort besser kennen zu lernen. Er muss frühzeitig staubelastete Autobahnen, einsame Landstrassen und unübersichtliche Wegpunkte von der Fahrroute ausschließen. "Somit stellen wir sicher, dass die Gefahr eines gezielten Anschlages auf unsere Schutzperson minimiert wird", so Hauptmann Stefan Kirch, Hörsaalleiter der Ausbildung Personenschutz in Stetten am Kalten Markt.

Anspruchsvolle und fordernde Trainingseinheit: Auch den waffenlosen Kampf müssen die Personenschützer der Bundeswehr beherrschen.Kirch ist ein "alter Hase" in seinem Tätigkeitsbereich. Für den ehemaligen Personenschützer steht fest: Ein Personenschützer muss auf alles vorbereitet sein. Er sollte nicht nur schnell reagieren können, er muss auch das Planen und Organisieren eines Einsatzes beherrschen. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der Personenschützer nur ein Bestandteil eines Einsatzes ist. Gearbeitet wird in einem Team. Für einen reibungslosen Ablauf sorgt der Führer des Personenschutzteams.
Da die Sicherung einer Schutzperson schon weit voraus beginnt, arbeiten Personenschützer der Bundeswehr auch eng mit anderen Sicherheitskräften zusammen. So werden nach Absprache mit den Kriminalämtern des Bundes und der Länder bei Großeinsätzen auch weitere Kräfte neben den Personenschützern an unüberschaubare Stellen positioniert. Somit ist ein ständiger Überblick über die Lage gewährleistet.

Reaktionsschnelles Handeln: Eingespielte Lagen gehören zum Alltag eines Personenschützers.
Wissen ist Macht
Vor dem Beginn eines jeden Personenschützerlehrgangs werden die teilnehmenden Soldaten in einem Eingangstest geprüft. "Wir wollen mit diesem Testverfahren feststellen, auf welchem Wissensstand sich der einzelne befindet", so Kirch. Besonderen Wert legen die Ausbilder auf die Bereiche: Körperliche Belastbarkeit, Ausdauer und das Fachwissen, das sich der Soldat über die Jahre hinweg angeeignet hat.

TrefferaufnahmeDie Ausbildung zum Personenschützer in der Bundeswehr gliedert sich in den Grundlehrgang "Personenschutz" und dem darauf aufbauendem "Führer im Personenschutz". Die Lehrgänge beinhalten die verschiedensten Ausbildungsthemen, vom Fahrsicherheitstraining bis hin zu diversen Schießtechniken. "Wir geben unseren Lehrgangsteilnehmern eine Fülle an Informationen und praktischem Wissen mit auf den Weg", so Kirch. Um den Lehrgangsteilnehmer an reale Situationen zu gewöhnen, werden im Laufe des Lehrganges verschiedene Szenarien durchgespielt. Diese Lagen dienen dazu, das Handeln und Denken des Soldaten für den Ernstfall zu sensibilisieren. "Somit stellen wir sicher, dass der Soldat auch unter schwierigsten Umständen jederzeit ruhig und besonnen handelt", so Kirch. Ein weiteres Highlight in der Ausbildung zum Personenschützer ist der waffenlose Kampf. Zuständig ist hier Oberfeldwebel Reiner Müller. In diesem Ausbildungsabschnitt werden dem Lehrgangsteilnehmer, Techniken aus verschiedensten Bereichen der Selbstverteidigung nähergebracht. "Eine Gefahrensituation lässt es nicht immer zu, die eigene Waffe einzusetzen. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, schnell und vor allem gezielt seine Kraft einzusetzen", so der 32-jährige Träger des schwarzen Gürtels in Karate.
Auch der theoretische Unterricht spielt eine große Rolle in der Ausbildung zum Personenschützer. Zu den Fächern gehören Themen wie beispielsweise Fahrphysik, Einsatztaktik und Fremdsprachen. Großes Augenmerk richtet der Hörsaalleiter Kirch auf den Rechtsunterricht. Hier gilt es, den Lehrgangsteilnehmer mit einem fundierten Rechtswissen auszustatten. Denn die Einsätze der Personschützer der Bundeswehr finden nicht nur im Inland statt. "Dem Lehrgangsteilnehmer muss bewusst gemacht werden, wann und wie er agieren darf. Vor allem muss ihm klar sein, welche rechtlichen Konsequenzen eine Fehlentscheidung mit sich führen könnte", so Koch.

Das Ziel vor Augen: Personenschützer müssen mit ihren Waffen perfekt umgehen können.Für Hauptfeldwebel Baumann wird der Führerlehrgang bald beendet sein. "Ich freue mich schon, die Führung einer Personschutzgruppe zu übernehmen", so Baumann, der bald wieder hochrangiges Militärpersonal aus ganz Deutschland begleiten wird. Doch bevor es soweit sein wird, lautet die Devise: Üben, üben, üben.