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Die Männer mit dem „Stern“ im Barett

Veröffentlicht von HD am 03.03.2002

Sarajevo am Nachmittag. Wir fahren gerade auf der Straße vom Flugplatz kommend zum Feldlager Rajlovac, als uns mit heulenden Sirenen und mit Lichthupe zwei mit dem Roten Kreuz gekennzeichnete Krankenkraftwagen des deutschen Kontingentes GECONSFOR entgegenkommen. Vor dem Fahrzeug ein VW-Bus der Militärpolizei, aus dessen Seitenfenster der Beifahrer herauslehnt, eine Kelle schwenkt, um die vorausfahrenden Autofahrer auf die Notsituation aufmerksam zu machen und um dem Konvoi schneller Platz zu verschaffen. Da muß ein schlimmer Unfall passiert sein, denke ich bei mir – Alltag für die deutsche Feldjägerkompanie im Einsatzland.

 

Die Soldaten

Die Feldjägerkompanie GECONSFOR (4. Kontingent) hat insgesamt nur eine Gesamtstärke von 33 Soldaten. In Deutschland ist so eine Kompanie der Feldjäger gut doppelt so stark. In einer Führungsgruppe sind dies neben dem Kompaniechef und dessen Vertretung (Einsatzoffizier) der Kompaniefeldwebel, der Versorgungsdienstfeldwebel, der Schirrmeister sowie zwei Stabsdienstsoldaten. Die restlichen Angehörigen der Kompanie bestehen aus je fünf Soldaten für eine Tag– und Nachtschicht sowie zwei Gruppen von ebenfalls fünf Soldaten einer sog. „Z“-Schicht. Zusätzlich gehören noch die Tatortgruppe mit vier Angehörigen sowie die Personenschutzgruppe mit zwei Soldaten hinzu. Unteroffiziere mit und ohne Portepee sind hierbei mit 22 Mann überproportional vertreten. Wenngleich Tag– und Nachtschicht abrufbereit als Einsatzreserve vor Ort sein müssen, nehmen die „Z“-Schichten die eigentlichen Tagesdienstgeschäfte wahr. Dies können Geschwindigkeitskontrollen, Personenschutz, Flugabfertigung im Militärflughafen oder z.B. Streifen zur Aufrechterhaltung der militärischen Ordnung sein, womit also äußeres Erscheinungsbild, Verhalten oder Anzugsordnung gemeint sind. Bei unvorhergesehenen Ereignissen, also Unfällen, Straftaten usw. wird auf die Soldaten der Tag– bzw. Nachtschicht zurückgegriffen. Vier speziell an der Bayerischen Polizeischule in Ainring ausgebildete Soldaten nehmen das Geschäft der Tatortgruppe wahr, das heißt kriminalistische Ermittlungen und Vernehmungen bezüglich Straftaten innerhalb des deutschen Kontingentes, was da sein können Drogenmißbrauch, Diebstahl oder Körperverletzung. Last but not least sind zwei Soldaten als Personenschutzgruppe ständig mit dem Schutz der deutschen „Generalität“ betraut. Für das 4. Kontingent stellte die 2./Feldjägerkompanie aus Amberg den Kern der Kompanie. Verstärkt wurde die Kompanie durch Soldaten des Feldjägerbataillons 760 aus den Standorten München, Murnau und Veitshöchheim.

 

Der Auftrag

Die Feldjäger oder mit SFOR Sprachgebrauch die „German Military Police“ (kurz „MP“), sind nicht nur für die militärische Ordnung und Disziplin im Einsatzland, was sowohl Bosnien-Herzegowina als auch Kroatien bedeutet, verantwortlich. „Nein, das Aufgabenspektrum ist weitaus vielseitiger als in Deutschland. Gerade aber dieser Umstand macht die Arbeit im Einsatzland so interessant“, meint Oberfeldwebel P. vom 2./Feldjägerbataillon 760 aus Amberg. Neben dem militärischen Ordnungsdienst, der sowohl Streifen innerhalb des Feldlager als auch außerhalb der Liegenschaft vorsieht, sind das u.a. der militärische Verkehrsdienst mit Verkehrsüberwachung, Unfallaufnahme, Konvoibegleitung, Geschwindigkeits– sowie Personen– und Fahrzeugkontrollen. Auch die allgemeinen Sicherheitsaufgaben wie Personenschutz, Absicherungsmaßnahmen bei Besuchen, Begleitschutz bei Geld–, Verschlußsachen–, Waffen– oder Munitionstransporten sowie Verbindungsaufnahmen zu internationalen, ausländischen oder örtlichen Polizeidienststellen oder ähnlichen Organisationen sind zu nennen. „Und davon gibt es im Einsatzland einige davon“, weiß Oberfeldwebel S., ebenfalls Soldat in Amberg, zu erzählen. Neben den Kameraden der jeweiligen Military Police von NATO- und Nicht-NATO-Staaten sind dies die „International Police Task Force“ (IPTF) der Vereinten Nationen, der Sonder-Einsatzverband von SFOR, die „Multinational Special Unit“ (MSU) sowie Beamte des Bundesgrenzschutzes und des Bundeskriminalamtes, die bei der Deutschen Botschaft Dienst verrichten.

 

Multinationale Zusammenarbeit

Aus Sicherheitsgründen wird für die heutige geplante gemeinsame Standortstreife in Sarajevo auf dem bewachten Parkplatz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inmitten der Stadt geparkt. Neben den beiden aus Amberg kommenden Oberfeldwebel S. und P. sind dies der amerikanische Sergant Mathheus M. und der Private First Class (PFC) Todd M., die von der „US-National Intelligence Cell“ (USNIC) Police vom Hauptquartier SFOR kommen und beide regulär in Deutschland stationiert sind. „Die Zusammenarbeit zwischen den internationalen Militärpolizisten untereinander ist sehr gut und wir pflegen sehr intensive und freundschaftliche Beziehungen, besonders mit unseren amerikanischen, französischen, italienischen und irischen Kameraden“, erwähnt Oberfeldwebel P. So finden regelmäßig neben den gemeinsamen Standortstreifen auch Verkehrs– und Radarkontrollen statt, ergänzt der 31 Jahre alte Feldjäger auf dem Weg in die Innenstadt. Vor einem Schmuckgeschäft steht ein deutscher Oberstleutnant der Luftwaffe und sieht sich die dortigen Auslagen an. Zielstrebig geht Oberfeldwebel P. auf ihn zu und fragt freundlich nach seinem Ausweis, da es für Soldaten des Feldlagers eigentlich nicht gestattet ist, sich in der Stadt allein aufzuhalten. Generell müssen immer drei Soldaten zusammen sein. Nachdem sich herausstellt, daß der Offizier zum Hauptquartier von SFOR gehört und eine Sondergenehmigung hat, setzen die Feldjäger ihren Rundgang durch die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina fort – Alltag für die deutsche Feldjägerkompanie im Einsatzland.

 

 

Text: Truppenzeitschrift „Heer“, Ausgabe 02/2000, Armin Blase
Bild: HD

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