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Feldjäger im Kosovo – Rund um die Uhr im Einsatz für Ordnung und Sicherheit

Veröffentlicht von HD am 01.03.2002

Feldjäger – Rund um die Uhr im Einsatz für Ordnung und Sicherheit – vielfältiges Aufgabenspektrum

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KFOR Feldjäger-Patch

Das Rundumlicht auf dem Dach eines „Wolfes“ wirft seinen blauen Lichtkegel durch die Nacht. Konzentriert und nach dem Grundsatz „fair, firm, friendly“ steigen die Männer aus dem Fahrzeug und nehmen die Personen vorläufig fest, damit ihre Identität festgestellt werden kann. Die aufgegriffenen Verdächtigen werden erkennungsdienstlich behandelt und bis zum Ablauf der Sperrstunde um 5.00 Uhr morgens in Gewahrsam genommen. Täglich wiederkehrende Realität. Vorfälle, von denen wir wenig mitbekommen, da die meisten von uns nachts im Zelt liegen, um für den kommenden Tag fit zu sein. Anders dagegen die Kameraden der Feldjägerkompanie der MNB (S).

 

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Feldjäger und UNMIK Polizisten (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo)

Sie bewältigen ihre Aufgaben rund um die Uhr im Schichtdienst und an den verschiedensten Orten des Kosovo und Mazedoniens. Kein Wunder, daß man sie so selten in den eigenen Lagern sieht, da sie ständig im gesamten Sektor unterwegs sind. Der Auftrag der „Military Police“ umfaßt ein sehr weites Spektrum an einzelnen Verantwortlichkeiten, die eine direkte und sehr enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen innerhalb und außerhalb von KFOR notwendig machen. Außerhalb der eigenen militärischen Strukturen sind es insbesondere die UNMIK-Police der Region Prizren, welche vergleichbar mit dem Brigadegebiet, und das ICTY (Kriegsverbrechertribunal).

 

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MP-Armbinde KFOR

Die Kameraden mit der schwarzen Lederarmbinde, die den weißen Aufdruck „MP“ tragen, sind mit zuständig für die Überwachung und Einhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, wobei auch neben der UNMIK-Police sehr eng mit den einzelnen Task Forces zusammengearbeitet wird. Weiterhin ist die MP verantwortlich für Bereich der eigenen Truppen, wo in Zusammenarbeit mit den Disziplinarvorgesetzten für die Ein- und Aufrechterhaltung der militärischen Ordnung Sorge zu tragen ist. Von den sportlich trainierten und gut ausgebildeten Kameraden der Feldjäger werden sehr vielfältige Aufträge erfüllt. So werden MP-Stationen in Prizren, Orahovac, Suva Reka und Tetovo 7 Tage die Woche rund um die Uhr betrieben. Eine weitere Station, die tagsüber besetzt ist, findet sich in Dragas. Eine zusätzliche wird momentan noch in Malisevo aufgebaut. Flächendeckend werden Streifen mit Fahrzeugen oder im Bereich der Stadtgebiete auch zu Fuß durchgeführt. Regelmäßig stehen Sicherheitsaufgaben für die Begleitung und Absicherung von Spezialtransporten an sowie begleitender Personenschutz für den COMKFOR, den Befehlshaber der MNB (S) und den Chief JIC. Auch hochrangige Gäste der Brigade erhalten für die Dauer ihres Aufenthaltes Personenschutz zur Seite gestellt. Darüber hinaus werden die Task Forces der MNB (S) bei Hausdurchsuchungen und Zugriffen unterstützt. Die Führung der Feldjägerkräfte, das Provost Marshal Office, befindet sich im Stab der Brigade. Dort wird der gesamte Einsatz für alle MP-Kräfte koordiniert, aber auch der Brigadekommandeur in militärpolizeilichen Fragen beraten. Natürlich finden sich auch viele Anknüpfungspunkte bei der Planung von Einsätzen mit den Bereichen G3, G2 und dem EOD. Eine Besonderheit besteht für die recht personalstarke Feldjägerkompanie in der sehr guten Zusammenarbeit mit den türkischen, niederländischen, österreichischen und schweizerischen Militärpolizisten. Neben den regulären Kräften der MP gibt es aber auch die „Gruppe zbV“. Die Kameraden dieser Gruppe sind mit Personenschutzaufgaben oder der Ermittlung und Erkundung in ´schwierigen Fällen´ in Zusammenarbeit mit zivilen Ordnungskräften befaßt. Wenn man konkret die einzelnen Aufgaben der Feldjäger umreißen möchte, so müssen Aufgaben aus dem Bereich der zu Hause seltenen Schutz- und kriminalpolizeilichen Aufgaben, der allgemeine Streifendienst, Anzeigenaufnahmen, Ermittlungen im Zusammenhang mit KFOR, Überwachung der Einhaltung der Dress- und Vehiclecodes, Verkehrsdienste, Unfallaufnahmen bei Beteiligung von KFOR-Fahrzeugen und die Konvoibegleitungen erwähnt werden.

 

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KFOR-Feldjäger: Einsatznachbereitung

Die tägliche Arbeit der Männer ist keinesfalls frei von Problemen. So stoßen sie schnell auf Sprachbarrieren und die andersartige Mentalität der einheimischen Bevölkerung, wenn es um Kontrollen oder die Aufklärung von Verbrechen geht. Da muß man als Feldjäger im Einsatzland auch schon mal etwas bestimmter werden und sich mit der neuen Situation vertraut machen, um die Ernsthaftigkeit deutlich zu machen. Die Belastung durch die Schichtdienste ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die erfolgten Einsätze müssen akribisch nachbereitet werden, Protokolle geschrieben (Situation Report) und die Vorfälle – z.B. der letzten Nacht – mit der neuen Schicht besprochen werden. Dadurch kann sich auch die Schichtdienstzeit verlängern, da erst alles ordnungsgemäß übergeben werden muß. Besonders hier im Einsatz hat für die Feldjäger eine Verschiebung ihres eigentlichen Aufgabenspektrums stattgefunden. Ein neues Tätigkeitsfeld mit ganz andersartigen Herausforderungen und Problemstellungen hat sich für die Kameraden ergeben. Gefordert sind nunmehr von der „Militärpolizei“ neue Lösungsmöglichkeiten und Herangehensweisen. Es werden zum Großteil allgemeinpolizeiliche Aufgaben wie Hausdurchsuchungen, Ermittlungen in der Bevölkerung, zivile Verkehrskontrollen, Verkehrsregelung und auch die Suche nach Waffen in enger Zusammenarbeit mit der international zusammengesetzten UNMIK-Police durchgeführt. Diese vielschichtigen Aufgaben sind mitunter auch mit einer nicht zu unterschätzenden Gefährdung der Kameraden verbunden. Abenteuerlust und Draufgängertum wird man daher bei den Feldjägern nicht finden. Ruhiges und besonnenes Arbeiten sind Grundvoraussetzungen der sich ständig abwechselnden Tätigkeit im Kosovo. Besonderes Einfühlungsvermögen und genaue Kenntnis der Befugnisse sind unabdingbar bei der Bewältigung des täglichen Aufgabenpensums.

 

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KFOR-Feldjäger: Durchsuchung

Die psychische Belastung ist zum Teil sehr hoch, da insbesondere die Gruppe „zbV“ mit hinzugezogen wird, wenn zum Beispiel Leichen aufgefunden werden und ebenso bei den durchzuführenden Obduktionen. Die Konfrontation mit den teilweise nur schwer nachzuvollziehenden Verbrechen und der Gewalttätigkeit ist in den Dienstvorschriften nicht immer genau geregelt und kann auch in der Heimat nicht trainiert werden. Für die Kameraden gilt es, immer wieder der Lage angemessen zu reagieren und sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Dabei müssen sie sich jeweils nach den Grundsätzen der Auftragserfüllung und der sich ständig wechselnden Situationen verhalten. Die ganz normalen Gefahren in Deutschland werden hier mitunter noch durch die unangemessene und teilweise chaotische Fahrweise vieler Verkehrsteilnehmer sowie der erhöhten Gewaltbereitschaft zusätzlich angereichert. Oft aber sind die persönlichen Gespräche nach Dienstende ein gutes Mittel, um Erlebtes mit den Kameraden zu besprechen und auf diese Weise die mitunter problematischen Erlebnisse zu bewerten und für sich selbst zu verarbeiten.

 

Text: Oliver Jeschonnek
Fotos: Karsten Gebhard

Aus der Feldzeitung der Bundeswehr für das Kosovo und Mazedonien ‚Maz & More‘, Ausgabe 38 vom 08.02.2000.

Mit freundlicher Genehmigung der MAZ & More-Redaktion.

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