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Orahovac – Mitten drin, statt nur dabei!

Veröffentlicht von HD am 01.03.2002

Orahovac. Verfolgt man die Meldungen der letzten Tage, so hört man immer wieder den Namen der Ortschaften ORAHOVAC und VELICA HOCA. Mitten drin im Geschehen die MP Station in ORAHOVAC. Untergebracht in einem ehemaligen, serbischen Polizeirevier, versehen die Soldaten gemeinsam mit fünfzig Polizisten der UNMIK und dreißig auszubildenden Kosovaren des Kosovo-Police-Service (KPS) ihren Dienst. Bis vor Kurzem hatten sie sogar noch gemeinsame Diensträume, diese wurden jedoch im Zuge jetzt laufender Renovierungsarbeiten und Umbaumaßnahmen zu Einzelbüros umgestaltet. Grund dafür ist, dass auch für den Bereich ORAHOVAC geplant ist, dem KPS nach und nach Polizeiaufgaben zu übertragen. Im Zuge der Übernahme dieser Aufgaben, sollen die Angehörigen des KPS ihren Dienst aus einem separaten Bereich heraus versehen.

Betrachten wir einmal den Auftrag der MP so sehen wir schnell, wie umfangreich die Arbeit eigentlich ist. Neben ihren normalen Schichtrhythmus von zwölf Stunden, arbeiten die Soldaten anschließend in einer zeitlich nicht näher definierten „Sonderschicht“ die zusätzlich eingehenden Aufträge ab. Dazu zählt das Aufnehmen von Unfällen und das Protokollieren von Anschlägen genauso, wie das Begleiten von serbischen Konvois, das Eskortieren von serbischen Krankentransporten und die Konvoibegleitung nach SKOPJE. Aber auch die ständige Präsenz in den Serbenenklaven bindet rund um die Uhr Personal.

Doch trotz allem, zeigt sich der Chef der MP Station ORAHOVAC, Hauptmann S., zufrieden. Dies beruht vor allem auf der guten Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. In wöchentlichen Meetings tauscht man Information mit dem Kommandeur Task Force ZUR, dem Leiter UNMIK, dem Leiter Field Office der OSZE und der UNMIK Administration (dem zivilen Strang der UNMIK) aus und plant gemeinsam die anstehenden Projekte.

Bei einer derartigen Arbeits- und Intergrationsdichte ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Soldaten der MP Station das Motto „Mitten drin, statt nur dabei“ als ihren Leitspruch gewählt haben. Nach gut drei Monaten Dienst betrachten die Angehörigen der MP Station die täglich auf sie einstürzenden Ereignisse recht nüchtern. „Man muß hier vor allem erst einmal die Ruhe bewahren und sachlich ermitteln“, so Leutnant St. Diese professionelle Auffassung klingt um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Anschläge der vergangenen Woche keine fünfzig Meter vom „Betreuungsoffice“ stattfanden- In dem Gebäude, das man zusammen mit UNMIK betreibt und das für die Serben als Anlaufstation errichtet wurde, befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlages mehrere Angehörige der MP Station. Leutnant St. geht aber davon aus, dass sich diese Aktion nicht gegen die MP Station beziehungsweise deren Angehörige richtete. Als mögliche Gründe für die Anschläge in der Region sieht er vielmehr den Protest der Albaner gegen die angekündigte Rückführung von Serben, oder ein von Serben inszenierten Anschlag zur Verdeutlichung ihres Schutzbedürfnisses durch die KFOR Truppen.
 

Text: Hauptmann H. G. Bender

Aus der Feldzeitung der Bundeswehr für das Kosovo und Mazedonien ‘Maz & More’, Ausgabe 94 vom 06.03.2001.

Mit freundlicher Genehmigung der MAZ & More-Redaktion.

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