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Das Bindeglied zwischen Truppe und Polizei

Veröffentlicht von HD am 10.01.2003

Vielfältige Aufgaben für die Feldjäger in der Police Station Prizren

Prizren. Geschäftig geht es zu in der Police Station nahe der Ringstraße in Prizren. Direkt am Eingang sitzen Angehörige von UNMIK-Police, Kosovo Police Service (KPS) und der deutschen und türkischen Militärpolizei zusammen. Hier gehen, wie in einer Polizeiwache in Deutschland auch, die Anrufe und Meldungen ein. Im so genannten „Operations-Center“ läuft die Polizeiarbeit organisationsübergreifend. So sind alle, die Informationen über aktuelle Einsätze benötigen, informiert.

 

„Die Arbeit hier läuft ganz ausgezeichnet“, versichert Oberleutnant Swen H. Er ist als „Chief of Operations“ in der Station eingesetzt. Die Aufgaben „seiner“ Männer, die fast aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengewürfelt wurden, beschreibt er als Serviceleistung: „Immer mehr werden wir uns hier künftig auf die eigentlichen Feldjägeraufgaben, wie in Deutschland, beschränken, aber zur Zeit sieht das noch anders aus!“ Aufgaben wie Hausdurchsuchungen oder das Betreiben von Check Points haben die Militärpolizisten inzwischen weitestgehend an UNMIK Police oder KPS abgegeben. Nur wenn Not am Mann ist, helfen die Soldaten in diesen Bereichen noch aus. Eigentlich konzentrieren sie sich auf Standortstreifen, Absicherungen innerhalb und außerhalb der Lager, Aufnahme von Unfällen, Marschbegleitung oder sonstige Unterstützungsleistungen. Diese können beispielsweise in der Unterstützung bei Temporären Check Points (TCP) der Task Forces liegen. „Es ist unvorstellbar, was da alles auf einen zukommen kann“, erzählt Oberleutnant H. und weiss von einer Menge Fälle zu berichten: „Wir sind natürlich auch zusammen mit KPS im Einsatz, wenn beispielsweise Einheimische im Bereich der Feldlagersicherung auffallen. Ebenso ist es, wenn Schüsse oder Steinwürfe im Lagerbereich gemeldet werden.“ Die einheimische KPS ist in solchen Fällen grundsätzlich mit vor Ort.

 

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Polizeialltag in der Police Station Prizren.
(Foto: Pfohl)

Richtig heraushalten können sich die Männer aus der Polizeiarbeit aber nicht. Wenn ein Notruf eingeht, fahren eben auch mal die Feldjäger los, wenn sie den Ruf entgegen nehmen. So ist es auch an diesem Tag. Aus dem Feldlager Prizren kommt die Meldung über einen Notfall an der LOC Leopard. Ohne viel Details zu wissen, macht sich eine Feldjägerstreife auf den Weg. KPS wird ebenfalls am Ort des Geschehens sein. Es wird sich später als Verkehrsunfall ohne Personenschaden entpuppen.

Einen guten Stand haben die deutschen Militärpolizisten in Prizren, davon weiß ein Unteroffizier aus der Schicht zu berichten. „Wir wurden zu einer Schlägerei gerufen, der die KPS nicht so richtig Herr wurde. Als wir ausstiegen, wurden sofort alle Freunde…“

Zeugnisse eines professionellen und fairen Jobs, den die Männer machen. Den Eindruck macht auch Naser B., der sich mit Swen H. ein Büro teilt. Nach der Schreibweise seines Namens gefragt, notiert er nicht nur diesen im „MAZ&More-Notizbuch“, sondern auch die Widmung: „All the best for Germany. This is from the people of Kosova. This is an opinion that our people share.“

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Tolles Arbeitsverhältnis: Oberleutnant Swen H. und Naser B.
(Foto: Pfohl)

Im Gegensatz zu den Eindrücken, die in der Vorausbildung vermittelt wurden, empfindet der Oberleutnant die Situation in Prizren recht ruhig und die Menschen erstaunlich höflich. Diese Einschätzung teilt auch Oberfeldwebel Nicolas J. Er war bereits von Dezember 2000 bis Juni 2001 in Prizren: „Es hat sich einiges verändert. Die Stadt ist sauberer geworden. Für uns als Feldjäger ist nicht mehr so viel zu tun wie damals.“ Die Beruhigung hängt insbesondere mit der Aufhebung der nächtlichen Ausgangssperre in der Stadt zusammen.

Besonders stolz ist Oberleutnant H. übrigens auf die geringe Zahl an KFOR-Unfällen in seinem Zuständigkeitsbereich. Das motiviert und lässt auch die scherzhafte Annahme zu: „Die Soldaten fahren in andere Areas of Responsibility (AOR), um Unfälle zu bauen!“

Ihre Aufgabe macht den Feldjägern offensichtlich Spaß. Ein Baustein dafür scheint die Arbeit in der Station zu sein. Soldaten und Polizisten aus rund 20 Nationen arbeiten hier zusammen. „Nur durch die Zusammenarbeit hier außerhalb des Lagers kennt man sich so gut und ist damit bestens in den Informationsfluss eingebunden“, votiert der Chief of Operations für das derzeitige Arbeitsmodell, in dem die Feldjäger im Schichtdienst ihren Job in der Stadt verrichten.

 

 

Text: Uwe Zeitter
Fotos: Pfohl

Aus der Feldzeitung der Bundeswehr für das Kosovo und Mazedonien ‘Maz & More’, Ausgabe 190 vom 08.01.2003.

Mit freundlicher Genehmigung der MAZ & More-Redaktion.

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