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Winter im Einsatzland

Veröffentlicht von HD am 10.01.2003

Lenken und Bremsen geht nicht

Bosnien und Herzegovina von der schönsten Seite. Winterlich präsentiert sich die Landschaft mit weihnachtlich weißer Schneepracht. Was in Deutschland Freude bei Eltern und Kindern auslöst, wird für SFOR Soldaten in Bosnien-Herzegovina zu einer weiteren Gefahrenquelle.

FILIPOVICI/RAJLOVAC – Frontalzusammenstoß. „Wolf“ und ziviler Golf stehen sich auf der Brücke im Neuschnee „Aug in Aug“ mit Blechschaden gegenüber. Die Feldjägerstreife aus Filipovici notiert die Aussagen der Betroffenen. Beim „ersten Schneeunfall“ gab es Gott sei Dank keine Verletzten. Es folgen Unfallprotokoll, Zeugenaussagen, Fotodokumentation und Regelung des Schadens. Nicht nur die Feldjäger werden mit viel „Unfallschreiberei“ zu kämpfen haben.

Wintereinbruch in Bosnien-Herzegovina. Das heißt grundsätzlich: Generell schlechte Straßenverhältnisse, gefährliche und abenteuerliche örtliche Fahrgewohnheiten.
Zusätzlich: Schnee, Eis und Blitzeis. Alles Gefahrenpunkte, welche gerade zum Einsatzbeginn jedem Soldaten ein weiteres Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration abverlangen. Auch das neue SFOR-Kontingent erhält kurz vor Weihnachten keine Schonfrist in Sachen Eingewöhnung.

Kontingentbeginn und Einarbeitungsphase: Das heißt viel Neues aufnehmen, verarbeiten und verinnerlichen. Da passiert es leicht, dass der Kopf nach den ersten Eindrücken voll ist.

Unachtsamkeiten schleichen sich gerade im Straßenverkehr schnell ein. „Auf den zentralbosnischen Straßen rächen sich kurze Aussetzer blitzschnell“ fasst Feldjäger Oberfeldwebel Thomas P. die aktuelle Lage zusammen. „Mit dem Wintereinbruch wird leider erfahrungsgemäß auch die Unfallrate ansteigen“, fügt sein Kamerad Stabsunteroffizier Mike H. hinzu. Eklatante Unterschiede der hiesigen Straßenverhältnisse zu den gewohnten bundesdeutschen, lassen bisherige Gewohnheiten und Erfahrungswerte zur Makulatur werden.

Keiler308 1 in Winter im Einsatzland

Hier zum Glück nur ein Verkehrspylone und kein Kind.

Um die aktuelle Unfalltendenz trotz Schnee und Blitzeis zu senken, wird ein spezielles „Fahrer Sicherheitstraining“ für deutsche SFOR-Soldaten angeboten. „Neben der notwendigen theoretischen Ausbildung bieten wir allen teilnehmenden Soldaten auch praxisnahes Lernen in verschiedenen Gefahrensituationen“, bemerkt der Projektleiter Oberfeldwebel Lars U.

„Der Fahrer lernt so sein Fahrzeug auch in extremen Fahrsituationen besser kennen“ so sein Assistent Maik H. Da sehen auch erfahrene Kameraden „alt“ aus. Auch diejenigen die den Kurs „nicht nötig“ hatten, sind nach den praktischen Übungen etwas nachdenklicher. Der „Aha-Effekt“ ist bei den praktischen Übungen gewünscht.

Das dreiköpfige Projektteam Verkehrsicherheit gibt das in Theorie & Praxis erworbene Wissen als „VIP-Fahrer“ (Personenschutz) an die Kameraden im Wintereinsatz weiter. Bereits 60 Soldaten aus den Feldlagern Filipovici und Rajlovac haben mittlerweile davon profitiert. Jeder kann an einem der auch in Zukuft zahlreich angebotenen Kursen von den Feldjägern teilnehmen.

Besonderer Service der Feldjäger: Jede Einheit bekommt die im Kurs gezeigten Fahrleistungen als CD-Videosequenz. Jede Übungssequenz wird von den Ausbildern auf Video aufgenommen und auch ebenfalls ausgewertet. Neben dem Erinnerungseffekt für die teilnehmenden Fahrer können so auch Kameraden, die nicht teilgenommen haben von „Aha-Effekten“ profitieren.

Keiler308 2 in Winter im Einsatzland

Das erste Blitzeis im Einsatzland. Schnell waren die Schneeketten aufgezogen.

Während des Fahrtrainings zeigen sich die Teilnehmer besonders begeistert, wenn die eigenen Fahrreaktionen ausgewertet werden. „Gerade bei dem Aufzeigen des unterschiedlichen Bremsweges und des Bremsverhaltens zwischen Wolf und T4 Synchro wird es für jeden Teilnehmer augenscheinlich“, beschreibt P. dem ebenfalls staunenden Keilerfotographen, welcher die Ergebnisse im Bild festhält.

Zuletzt geben die Feldjäger noch einen wichtigen Tipp zur Verhaltensweise am Unfallort, falls es trotz umsichtigen Fahrens doch mal »krachen« sollte. Besonders wichtig ist es, zuerst die Unfallstelle durch ein Warndreieck zu sichern. Erst dann folgen alle andere Maßnahmen. Wichtig ist die Meldung an „die TOC“ (Tactical Operation Centre, zu Deutsch OPZ) oder die MP (Military Police). „Also dann gute Fahrt… und immer schon langsaaam!“ wünschen die Feldjäger schmunzelnd zum Abschluss.

 

Text: Der Keiler
Fotos: Elstermann

Aus der Feldzeitung der Bundeswehr für Bosnien-Herzegowina „Der Keiler“, Ausgabe 308 vom 16.12.2002 .

Mit freundlicher Genehmigung der Keiler-Redaktion.

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