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Zeitungsartikel über die Feldjägerkompanie 900 (1976)

Veröffentlicht von HD am 23.03.2004

Die Jungs im weißen Koppelzeug

Sie produzieren Sicherheit

Fjpkp900 1976a-160x116 in Zeitungsartikel über die Feldjägerkompanie 900 (1976)„Hier Georg 18, befinden uns auf der Nordbrücke in Richtung Flughafen Köln-Wahn!“, so tönt es kurz und militärisch über den bundeseigenen Äther auf der Bonner Hardthöhe, dort, wo sich die Feldjägerkompanie 900 etabliert hat.

Der Standortbestimmende ist der Feldjägerbegleitoffizier aus dem nicht gerade PS-starken Y-Pkw, der sich während der Begleitfahrt eines VIP-Gastes des Verteidigungsministeriums als letztes Fahrzeug in der eskortierenden Kolonne mit der der Feldjägerfunkzentrale in Verbindung setzt.

Ob Oberbefehlshaber, Staatssekretäre oder gar Minister aus aller Welt, sie alle wurden bislang von den Feldjägern begleitet.
Auf Grund der zahlreichen offiziellen Besuche in Bonn nimmt der protokollarische Dienst bei der Feldjägerkompanie 900 einen großen Raum ein. So geschieht es immer wieder, daß sich die hohen Besucher nach mehrtägigem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland bei der angetretenen Feldjägermannschaft mit einem kräftigen Shake-hands oder gar mit einem kleinen Präsent für die besondere Leistung bei den geübten Männern in Sachen Sicherheit bedanken.

Bedankt hat sich auch eine alte Dame vor einem Bonner Hotel, als sie einen Feldjägerbegleitoffizier wegen der Fangschnur der Uniform ihn für den Portier des Hauses hielt und ihn bat, die vom Taxifahrer vor der Tür abgestellten Koffer in die Hotelhalle zu tragen.

Oftmals werden die Männer mit ihren grauen Uniformen von der Bevölkerung als Polizisten angesehen: so auch anläßlich des Besuchs der thailändischen Kriegsakademie im Hohen Dom zu Köln, als man die beiden vor der Tür stehenden Feldjägerunteroffiziere mit der fast obligatorischen Frage bestürmte: „Warum bewachen Sie den Dom, ist da was los?“

Die Ausbildung der 151 Soldaten der Feldjägerkompanie 900, unter der Obhut des Kompaniechefs Hptm Heinz Krebbers, ist vielseitig. Sie treffen zwar kein Fünf-Mark-Stück auf 300 Meter Entfernung in Wild-West-Manier, so wie die Spezialeinheit GSG 9 der „Polizei des Bundes“ und sind keine „Draufgänger“ à la James Bond, leichtsinnige Abenteurer in Uniform, aber sie beherrschen Judo und Karate besser als Emma Peel.

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Die Bundeswehr 10/76

Dafür bewältigen aber die trainierten Männer mit den starken Nerven, Disziplin und Selbstkontrolle, die breite Skala ihres Aufgabenbereichs: Wahrnehmung der Sicherheitsaufgaben, Kraftfahrzeugkontrollen, Absperr- und Ordnungsmaßnahmen bei militärischen Veranstaltungen, Abwehr von Straftaten gegen die Bundeswehr und Nachforschungen nach unerlaubt ferngebliebenen Soldaten.

Und wenn in Bonn-Duisdorf die Lichter angehen und die „Bürgersteige hochgeklappt“ werden, dann wachen die Feldjäger über Minister Georg Leber, die Staatssekretäre, den Generalinspekteur der Bundeswehr und die Inspekteure der Teilstreitkräfte. Sie sind aber auch zur gleichen Zeit mit Rollkragenpulli und ziviler Lederjacke, den Ballermann im Gürtel, in Autos mit zivilem Anstrich auf Streifenfahrt unterwegs.

 

„Die Bundeswehr“, 10/76
Text und Fotos: M. Rademacher

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