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Der Sofortbedarf – Ein Buch mit Sieben Siegeln?!?

Veröffentlicht von HD am 24.07.2004

Wir brauchen……; Können Sie nicht……..; Es wäre besser wenn………; Ich habe gesehen……..; Könnte man nicht……….; Aber die haben doch……; alles Sätze, die zum Beginn eines Telefonates oder am Anfang eines Antrages für den „Einsatzbedingten Sofortbedarf“ unserer Kräfte im Auslandseinsatz und der GrpFJgWes Bw, Dez 2 (Weiterentwicklung) stehen bzw. in der Vergangenheit standen. Die Grp FJgWesBw und die Soldaten der Feldjägertruppe verstanden am Anfang „Einsatzbedingten Sofortbedarf“ als: heute beantragt, morgen gekauft, übermorgen im Einsatzland. Aber wir, das Dezernat 2 der Gruppe Feldjägerwesen denken, dass alle Angehörigen der Feldjägertruppe mittlerweile gelernt haben, dass es nicht so ist…..

Ein Antrag auf „Einsatzbedingten Sofortbedarf“ ist das „Auf den grundsätzlich notwendigen operativen Bedarf“ ausgerichtete Element zur Beschaffung von einsatzwichtigem Gerät für den Auslandseinsatz. Und hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Verständnisschwierigkeiten zwischen den Antragstellern der Feldjägertruppe und der bearbeitenden Dienststelle, denn die Maxime der vorherigen Jahre „- heute gedacht – morgen gebracht -“ gilt im Angesicht der angespannten Haushaltslage schon lange nicht mehr.
Deshalb noch einmal an alle Kameraden die Bitte – wenn etwas gefordert wird, liefern Sie uns alle erforderlichen Begründungen – überprüfen Sie die Anzahl des zu beschaffenden Gerätes und fragen Sie sich alle vor der Antragstellung: „Könnten wir es nicht auch mit anderen Mitteln erreichen?“ Und denken Sie alle daran – nicht der Antragsteller sondern erst die nachfolgenden Kontingente – werden mit dieser Ausrüstung in den Einsatz gehen oder wie schon mehrmals in der Vergangenheit geschehen, folgt eine Rückfrage des Kontingentes bei Auslieferung „- was sollen wir denn damit -“ bzw. „Welcher Idiot hat dies denn beantragt?“

Warum ist das so? Unterschiedliche Faktoren spielen hier eine große Rolle – zum einen der Antragsweg, der über mehrere Kommando-Instanzen bis ins Bundesministerium der Verteidigung zur endgültigen Genehmigung führt, zum anderen der Beschaffungsweg, der nach Bewilligung des BMVg über das Logistikamt der Bundeswehr, das Bundesamt für Wehrbeschaffung und das Logistikzentrum der Bundeswehr zur Auslieferung des Gerätes führt sowie der wesentliche Faktor – die Industrie – die die zu beschaffende Ausrüstung bzw. das Gerät herstellen und ausliefern muss.

Viele werden jetzt sagen, wieso? Es gibt es doch alles in den uns allen bekannten Shops, die im Internet und buntbebilderten Katalogen schnell und sicher dem Einzelnen die gewünschte Ausrüstung liefern. Richtig – aber hier geht es nicht um Artikel, die die Ansprüche einzelner Käufer für den Augenblick befriedigen. Vielmehr geht es im Sofortbedarf um Ausrüstung/Gerät, das auch über lange Phasen im Einsatzland verbleiben und die auch noch nach mehreren Jahren den Anforderungen des Einsatzes genügen muss und – die uns allen bekannten Shops sind bei großen Beschaffungen nicht in der Lage das Material im geforderten Umfang sofort liefern zu können – denn sie sind als Zwischenhändler ebenfalls auf die Hersteller angewiesen!

Gestatten Sie dem Dezernat 2 – Gruppe Weiterentwicklung – aber nun einen Rückblick auf den Einsatzbedingten Sofortbedarf in den vergangenen zweieinhalb Jahren.

Highlights der Arbeit waren und sind im Moment die Beschaffung und Fertigstellung der vier FJg-Einsatzfahrzeuge „DURO FJg“ und zwei „ATF-Dingo 1 FJg“ die für die Ausbildung und den Einsatz in Afghanistan vorgesehen sind. Beide Fahrzeugtypen werden noch in diesem Jahr an die Truppe ausgeliefert. Damit wird die Feldjägertruppe zum ersten Mal in ihrer 48-jährigen Geschichte über geschützte und bewaffnete Fahrzeuge verfügen, die neben einem wirksamen Schutz für die eingesetzten FJg-Kräfte auch über eine angemessene Bewaffnung zur Selbstverteidigung im Auslandseinsatz verfügen.

Mit diesen Fahrzeugen betritt die FJgTr aber auch operatives Neuland – es heißt jetzt nicht mehr nur – bei gegnerischem Feuer „nur“ in Deckung gehen – sondern wir – die Feldjägertruppe – sind in der Lage uns unter geschützten Bedingungen effektiv zu verteidigen.

Mit der „Kontrollstelle Mobil Feldjäger“, im Volksmund auch „Mobiler Checkpoint“ genannt, ist die Feldjägertruppe in der Lage an jedem Ort und zu jeder Zeit, damit ein Novum, eine Kontrollstelle betreiben zu können. Durch den Anhänger mit Lichtmast besteht die Möglichkeit die Kontrollstelle über 24 Stunden rund um die Uhr aufrechtzuerhalten. Weiterhin ist die im Anhänger verfügbare Ausstattung multifunktional ausgerichtet und damit auch in weiteren feldjägerspezifischen Aufträgen einsetzbar.

Mit der Ergänzungsausstattung zur ehemaligen „Zugriffsausstattung“, eine Erweiterung der vorhandenen Ausrüstung mit wesentlichem einsatztaktischen Elementen wie der leicht transportierbaren und klappbaren Sturmleitern, der Handramme sowie Wärmesensoren, ist die Feldjägertruppe in dieser Einsatzart mit ihrer Ausstattung in die Nähe des KSK sowie der SEK der Länderpolizeien aufgerückt. Neben dem Schutz wurden vor allem damit Elemente zum Eindringen in Häuser beschafft, die es den eingesetzten Kräften gestatten, schnell und effektiv ihren Einsatz durchführen zu können.

Im Bereich der IT-Ausstattung wurde mit der Beschaffung von mobilem IT-Gerät ein neuer Weg im Bereich der Führungsmittel für Auslandseinsätze beschritten. Laptops mit Drucker gehören heute zur unverzichtbaren Ausstattung der Provost-Marshalls, der MP-Stations sowie bei den Erhebern und Ermittlern, ebenso wie die digitale Kamera mit CD-Brenner für die Tatortarbeit, die eine justiziable Dokumentation des Tatortes zulässt.

Für den Personenschutzeinsatz im Ausland wurden und werden weitere sondergeschützte Wölfe (SSA-Wolf) gefordert und beschafft, da die Sicherheitslage in allen Einsatzländern weiterhin diese Fahrzeuge für den Personenschutzeinsatz erforderlich macht.

Sie sehen, ein breites Feld zur Bearbeitung, dass wir, das Dezernat 2 der GrpFJgWes Bw, mit dem Anspruch als Dienstleister für die Truppengattung, jeden Tag neu bearbeiten. Und – es gibt auch weiterhin noch viel zu tun.

Grigoleit, Oberst

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung auf militarypolice.de

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