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Friederisiko. Friedrich der Große 
Ausstellung im Neuen Palais im Park Sanssouci, Potsdam, 28. April – 28. Oktober 2012

Veröffentlicht von HD am 28.04.2012

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) präsentiert anlässlich des 300. Geburtstags Friedrichs des Großen die zentrale Jubiläumsausstellung „Friederisiko. Friedrich der Große“ vom 28. April bis 28. Oktober 2012 im Neuen Palais und im Park Sanssouci in Potsdam.

Zwölf Themenkomplexe rund um den König und seine Zeit entfalten sich in 72 teilweise erstmals zugänglichen, aufwändig restaurierten Kabinetten und Sälen. Das Neue Palais, das in nur sechs Jahren Bauzeit zwischen 1763 und 1769 errichtet wurde, ist der größte und prunkvollste friderizianische Schlossbau. Es ist der ideale Ort für die Ausstellung und
gleichzeitig das Hauptexponat, da es das Politik-, Kultur- und Selbstverständnis Friedrichs des Großen nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges widerspiegelt. Das Schloss, authentischer Aufenthalts- und Repräsentationsort des Königs, gewährt einen intimen Einblick in Friedrichs Persönlichkeit: Bis ins kleinste Detail hat er alles selbst bestimmt.

 

Friedrich und das Risiko – Friederisiko

Bereitschaft zum Risiko war ein wesentlicher Charakterzug Friedrichs. Der Titel der Ausstellung bringt dies in der Verbindung von „Friedrich“ und „Risiko“ zu „Friederisiko“ zum Ausdruck.
Bekannte Beispiele sind sein Fluchtversuch als junger Kronprinz, der ihn in Europa bekannt machte, sowie die Eroberung des habsburgischen Schlesiens, der zwei weitere Kriege folgten. Die Risikobereitschaft wurde belohnt, glückliche Erfolge sicherten ihm Schlesien und den Ruhm als Feldherr. Ein Jahrzehnt später eröffnete er mit dem Überfall auf Sachsen den
Siebenjährigen Krieg, in dem er seinen Staat an den Rand des Unterganges führte. Mit Glück überstand er auch diesen Krieg, an dessen Ende der Bau des Neuen Palais als Triumphdenkmal seines persönlichen Ruhmes für Gegenwart und Nachwelt stand.

Riskant handelte Friedrich nicht nur als Feldherr. Als Schriftsteller und Korrespondenzpartner der europäischen Gelehrten waren Reputation und Popularität als aufgeklärter Monarch zu gewinnen, zugleich setzte er sich und sein Handeln aber dem Urteil und der Kritik einer begrenzten Öffentlichkeit aus. Mit seinen Spöttereien, Provokationen und Ehrverletzungen riskierte er politische Beziehungen und persönliche Freundschaften, die öffentlichen Demütigungen des Thronfolgers schwächten dessen Ansehen und setzten die Zukunft Preußens aufs Spiel. Friedrich den Großen, sein Leben, seine Gedankenwelt und sein Handeln unter dem Aspekt „Risiko“ zu betrachten lohnt sich also. Ohne Rücksicht auf sich und andere hat Friedrich wie kaum ein Zweiter in seinem Leben immer wieder alles auf eine Karte gesetzt, um Ruhm zu erlangen. Den erstrebte er unter allen Umständen und schon in jungen Jahren.

 

Idee und Ausstellung

Die Ausstellung ist in zwölf Kapitel gegliedert: Elf Themen werden im Neuen Palais gezeigt, das zwölfte Thema, der friderizianische Garten, wird an zehn markanten Stationen im Park Sanssouci vermittelt. Weniger Staatsaktionen oder Fragen von Krieg und Frieden, Wirtschafts- oder Kulturpolitik stehen dabei im Zentrum. Im Fokus der Präsentation steht die Persönlichkeit Friedrichs des Großen. Das Leben des Königs wird nach Themen strukturiert, die Friedrichs Persönlichkeit und Handeln bestimmten. Dabei entwickelt sich das Konzept der Ausstellung aus der von Friedrich genau und hintersinnig bedachten Funktion und Ausstattung der Schlossräume. Bis ins Detail hat er den Grundriss, die Materialien, die Möblierung und die Gemäldehängung bestimmt. So stellen die Räume die Ideen und Vorstellungen des Königs dar; zeigen, wie er sich selbst sah und wie er gesehen werden wollte.

Für die Realisierung von „Friederisiko“ war auch die wissenschaftliche Expertise anderer europäischer Partner relevant. Im Bereich „Europa und die Welt“ haben das DHI Paris, die University of Hull und die Universität Potsdam mit kuratiert. Partner für „Risiko und Ruhm“ waren das DHM Berlin und das Armeemuseum Friedrich der Große auf der Plassenburg . Zur „Entwicklungspolitik“ hat die Universität Potsdam beigetragen.

 

Gestaltung und Exponatauswahl

Das Neue Palais verkörpert die „gebauten Gedanken“ Friedrichs des Großen und bildet den Ausgangspunkt der Ausstellungsgestaltung. Die in Architektur und Ausstattung des Schlosses verborgenen Botschaften des königlichen Bauherrn sollen für den heutigen Besucher wieder lesbar gemacht werden. Auf großen Transparentfahnen kommt in jedem Raum zum jeweils gezeigten Thema Friedrich oder ein Zeitgenosse mit Zitaten aus Briefen oder Werken selbst zu
Wort. 480 hochrangige Exponate von nationalen und internationalen Leihgebern sowie aus dem Stiftungsbestand akzentuieren und verstärken Friedrichs Gedanken.

In einer Vorkammer der Friedrichwohnung beispielsweise hatte der König einst ein Gemälde platziert, das die Bescheidenheit und Höflichkeit des Siegers über Sachsen demonstrieren sollte: „Anbetung der Hirten oder Die Nacht“ ist eine Kopie von Christian Wilhelm Ernst Dietrich nach einem Original von Antonio Correggio, das in Dresden hing – auch nachdem Friedrich als Sieger die Stadt verlassen hatte. Wilhelm II. hat Dietrichs Kopie 1910 der Evangelischen Gemeinde in Jerusalem geschenkt. Als Leihgabe aus Jerusalem kehrt es zur Ausstellung an seinen alten Platz in der Blauen Kammer zurück.

In unmittelbarer Nähe zu seiner eigenen Wohnung ließ Friedrich das Appartement für den Marquis d’Argens einrichten, das dem Thema „Verhältnisse“, Friedrichs Freundschaftskult, gewidmet ist. Hier steht u.a. der „Voltaire nu“, der „Nackte Voltaire“. Die von Jean-Baptiste Pigalle 1776 geschaffene Skulptur war im 18. Jahrhundert eine überaus skandalöse Darstellung. Die Leihgabe des Pariser Louvre wird erstmals in Deutschland zu sehen sein. An der Skulptur des alten und nackten Philosophen hatte sich Friedrich mit einer erquicklichen Summe beteiligt.

Zum ersten Mal seit 1830 wird auch die Lykomedesgruppe wieder so zu sehen sein, wie sie Friedrich einst im Antikentempel im Park Sanssouci zusammengestellt hatte. Die Leihgabe der Berliner Antikensammlung wurde im 18. Jahrhundert als „Achill unter den Töchtern des Lykomedes“ interpretiert. Als solche hatte sie Friedrich erworben. Jetzt findet der Besucher sie im Themenbereich „Horizonte“.

Das Kapitel „Risiko und Ruhm“ prägen museale Inszenierungen mit außergewöhnlichen Exponaten. Zu ihnen zählen Figuren preußischer Offiziere aus Wachs, die um 1750 gefertigt worden sind. Die Miniaturen geben die regimentsspezifischen Besonderheiten der Uniformen der Infanterie- und Kavallerieregimenter Friedrichs des Großen wieder. Die zwölf Wachsfiguren sind Leihgaben der Stiftung Deutsches Historisches Museum Berlin und werden erstmalig in einer Ausstellung präsentiert. Die Serie umfasste ursprünglich 78 Figuren.

Eines der hochwertigsten Kunstwerke kommt aus dem Metropolitan Museum of Art in New York: Jean-Baptiste Pigalles Marmorbüste der Marquise de Pompadour. Die Büste zeigt gleichermaßen die erotische Ausstrahlung der Marquise wie ihre Bildung und ihren Geschmack. Im Kapitel „Europa und die Welt“ personifiziert sie das politische Feindbild Frankreich.

Condé war nicht nur der Name eines berühmten französischen Feldherrn Ludwigs XIV., sondern auch des letzten Reitpferdes Friedrichs des Großen. Auf ihm unternahm der König am 4. Juli 1786 seinen letzten Ausritt. Condé führte ein sorgenfreies Leben und überlebte Friedrich um 18 Jahre. Das Skelett ist eine Leihgabe des Instituts für Veterinär-Anatomie, Fachbereich Veterinärmedizin, der Freien Universität Berlin.

Eine einzigartige Kostüminstallation der Brüsseler Künstlerin Isabelle de Borchgrave in der Wohnung des Prinzen Heinrich von Raum zu Raum bringt dem Besucher die höfische Welt des 18. Jahrhunderts nah. Lebensgroße Figurinen, nach historischen Kostümen ausschließlich aus Papier gefertigt, stellen das kleine Theaterstück „Der Modeaffe“ nach, das Friedrich 1742 als satirischen Kommentar auf das höfische Leben verfasst hat.

 

Im Neuen Palais Neues entdecken

Nahezu alle Bereiche des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses, ob bereits restauriert oder noch zu restaurieren, werden während der Ausstellung zu sehen sein. Etwa ein Drittel der Räume, darunter das spektakuläre grüne Scherbenkabinett, das Ovale Kabinett, das Untere Konzertzimmer und das Tressenzimmer im Unteren Fürstenquartier, das Spindlerkabinett oder die Prinzesswohnung im ersten Obergeschoss werden überhaupt
erstmalig oder seit Jahrzehnten wieder zugänglich sein. Andere Räume gewähren Einblicke in den laufenden Restaurierungsprozess und erlauben den Blick hinter die Kulissen friderizianischer Architektur.

Der Besucher ist eingeladen, sich seinen Weg durch die Ausstellung nach persönlichen Vorlieben und Interessen zu kombinieren und sich inspirieren zu lassen, lustvoll flanierend Friedrich und sein architektonisches Vermächtnis zu entdecken, statt einem vorgegebenem Rundgang folgen zu müssen. Dazu erhält er mit der Eintrittskarte ein Begleitheft, das wie ein „Reiseführer“ durch das Palais und Friederisiko fungiert, in dem die zwölf Themen vorgestellt, in einen Grundriss eingetragen und alle Exponate verzeichnet sind.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung „Friederisiko“ und begleitenden Veranstaltungen finden Sie hier: http://www.friederisiko.de/

Alle Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr „Friedrich300“ finden Sie im zentralen Online-Kalender http://www.friedrich300.eu/

 

Quelle: Presseinformation Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)

Text:  © SPSG
Foto: © Peter Adamik, SPSG

 

 

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